Warum Zoos verändern?
Zoos sind als klassisches Ausflugziel in unserer Gesellschaft fest verankert. Dass sich Menschen dagegen äußern, ist für viele fremd und verständlicher Weise erstmal sehr seltsam. Was kann an einem Zoo schlecht sein? Die Tiere werden regelmäßig gefüttert und sind von vielen äußeren Einflüssen geschützt, sie führen doch praktisch ein totales Luxusleben! Doch der Schein trügt. Hier möchten wir euch erklären, weshalb wir von Mission - Wild & Free gegen das akuelle Konzept von zoologischen Einrichtungen sind. Wir möchten euch nahelegen, selbst das Konzept Zoo und die Wildtierhaltung zu hinterfragen. Vorab möchten wir aber darauf aufmerksam machen, dass wir niemanden persönlich angreifen wollen und uns von Gewalt und Hassrede o.Ä. distanzieren.
Wir möchten die Bevölkerung auf das System der Tierausbeutung, welches hinter vermeintlicher Tierliebe und "artgerechter Haltung" getarnt wird, aufmerksam machen und die Unwahrheiten in Bezug auf Zoos aufdecken. Im Nachfolgenden werden wir häufig genannte Pro-Zoo Argumente aufgreifen und darstellen, wie wenig Wahreit letztendlich dahinter steckt.
Scheinargument 1:
"Die Tiere werden artgerecht gehalten."
Die meisten Zoos werben damit und Besucher glauben fest daran: Die artgerechte Haltung.
Doch was heißt artgerecht überhaupt?
"Artgerechte Haltung bezeichnet Formen der Tierhaltung, die so gut es geht die natürlichen Lebensbedingungen der Tiere nachahmen und dabei auch die angeborenen Verhaltensweisen berücksichtigen."
Quelle: Wikipedia
"So gut es geht" und "nachahmen" sind entscheidende Stichwörter. Denn "so gut es geht" heißt in der Praxis fast immer "so gut wie gar nicht". Es ist faktisch und nachweislich nahezu unmöglich, den Bedürfnissen von Wildtieren in Gefangenschaft gerecht zu werden. Die natürlichen Lebensbedingungen eines Wildtieres in einem Gehege, einem in Größe und Gegebenheiten limitierten Ort, "nachzuahmen", zu simulieren, funktioniert nicht. Und das lässt sich immer wieder an der sogenannten Zoochoose feststellen. Darunter versteht man eine Verhaltensstörung, die wissenschaftlich nachgewiesen auf die Gefangenschaft und die damit einhergehenden Probleme zurückzuführen ist. Ursachen sind unter anderem Unterstimulation/Reizmangel (extreme Langeweile), soziale Isolation, fehlende Entscheidungsfreiheit über die Umgebung und Mitbewohner und eine daraus resultierende, unnatürliche und negative Gruppendynamik. Die Tiere weisen enormen psychischen Stress und depressive Zustände auf. Und dies sind keine Einzelfälle. Die Zoochoose erkennt man an stereotypischen, krankhaften Verhaltensmustern.
Beispiele für Verhaltensstörung:
1. Das ständige Hin- und Herlaufen von Großkatzen wie Tigern oder Löwen.
Es ist ein klares Zeichen von Stress und Unterstimulation durch fehlende Interaktionsmöglchkeiten einer viel zu kleinen Umgebung. Zum Vergleich, ein Bengal-Tiger hat einen natürlichen Lebensraum von 20-100km². Eine Zooanlage bietet typischerweise ca. 500-2000m², das sind ca. 0,001-0,005% des natürlichen Lebensraums.
2. Das ständige Hin- und Herwiegen des Rüssels bei Elefanten, auch "Weben" genannt, ist ein deutliches Zeichen von Stress und Unterstimulation durch viel zu kleine Gehege. In freier Wildbahn legen afrikanische Elefanten im Alltag typischerweise 5–20 km pro Tag zurück; bei längeren Wanderungen, etwa zur Nahrungssuche oder in der Trockenzeit, können sie bis zu 40 km an einem Tag erreichen. Elefanten leben in komplexen Familienverbänden, in denen sie soziale Bindungen pflegen, lernen und kommunizieren.
Eine Zooanlage bietet oft nur 2.000–5.000 m², das sind gerade mal 0,0002–0,005 % des natürlichen Bewegungsraums, und lässt kaum Raum für echte Sozialinteraktionen.
Stellen Sie sich vor, Sie müssten ihr ganzes Leben in Ihrer Wohnung verbringen und fragen Sie sich selbst: Wie kann es einer Art, einem fühlenden Individuum, jemals gerecht sein, der Freiheit beraubt zu werden?
Artgerecht ist nur die Freiheit!
Scheinargument 2:
"Zoos betreiben Artenschutz!"
Ja, Zoos betreiben auch Artenschutz und den möchten wir hier auch nicht abstreiten. Allerdings fällt dieser Artenschutz leider sehr gering aus, da die meisten Ressourcen in den Zoo selbst gesteckt werden; Profit, Aufbau, Umbau, Instandhaltung, Transport, Futter, Pflege, Mitarbeiter und vieles mehr. Für externen Artenschutz, also vor Ort in bedrohten Lebensräumen, wo er wirklich gebraucht wird, bleibt daher wenig übrig. Im System "Zoo" kann das eben faktisch nur Nebensache sein. Jetzt werden Sie sich sicherlich denken, die Tiere im Zoo sind doch der Artenschutz der Zoos. Doch dagegen spricht die Tatsache, dass die meisten Zootiere tatsächlich nicht vorm Aussterben bedroht sind. Ausgewählt werden in erster Linie Publikumsmagnete. Exoten und Tierbabys, die mehr Besucher anlocken. Und wenn Sie denken, dass es sich um gerettete Tiere handelt, die wieder ausgewildert werden, liegen sie bis auf Ausnahmefälle leider falsch. Denn Fakt ist, die große Mehrheit der Zootiere wurde von Zoos für Zoos gezüchtet oder eingefangen und importiert und stirbt auch im Zoo. Es sind Wildtiere, die die Wildnis nie (mehr) sehen werden. Spricht allein das nicht gegen Zoos?
Scheinargument 3:
"Es gibt weniger natürliche Lebensräume!"
Ja, natürliche Lebensräume schwinden tatsächlich auf der ganzen Welt. Und genau deshalb sollten wir Zeit und Geld nicht in bereits o.g. Aufbau, Umbau, Pflege, Mitarbeiter, Futter usw. von Zooanlagen stecken. Die Gelder die hierbei fließen, wohlgemerkt für Entertainment, fehlen im echten Artenschutz VOR ORT! Da, wo er vollumfänglich für die Tiere und die Natur stattfindet. Wir können gemeinsam intakte Lebensräume und ihre Bewohner schützen und neue Habitate schaffen. Dies wird bereits weltweit getan und mit mehr finanziellen Mitteln ist hier auch noch viel mehr möglich. Mit einer Spende können z.B. neue Bäume gepflanzt oder intakte Regenwälder/Urwälder für immer geschützt werden!
Beispiele von Organisationen, die dank Spenden echten, nachhaltigen und vollumfänglichen Natur- und Artenschutz betreiben sind Wilderness International, Mossy Earth, Mission Erde e.V. und auch wir von Mission - Wild & Free e.V. und viele mehr. Hier steht Natur- und Artenschutz an oberster Stelle, nicht die Instandhaltung eines Entertainment-Konzerts.
Überlegen Sie sich also, ob das Geld für den nächsten Zoobesuch nicht besser direkt als Spende bei einem Renaturierungs-, Schutz- oder Auswilderungsprojekt aufgehoben ist, ohne Umwege, bei denen das Meiste verloren geht.
Scheinargument 4:
"Tiere haben kein Freiheitsempfinden!"
Freiheit ist für Tiere kein philosophischer Gedanke, den sie verstehen müssten, sondern ein biologisches Grundbedürfnis. Und wenn ein Bedürfnis existiert, dann existiert auch das Empfinden dafür. Wie wir Menschen brauchen Tiere Raum, Rückzugsmöglichkeiten, Bewegung und die Möglichkeit, selbst Entscheidungen zu treffen. All das, was ihnen Zoos nicht oder kaum bieten können. Wenn Tiere wirklich „unempfindlich“ gegenüber Einschränkungen wären, würden sie in Gehegen keinerlei Stressreaktionen zeigen. Doch genau das passiert – Stichwort Zoochose; Stereotypien, Apathie, Aggression und Ausbruchsversuche sind direkte Hinweise darauf, dass ihnen etwas Wesentliches fehlt. Wildtiere würden in Freiheit große Territorien nutzen, ständig unterwegs sein und selbst wählen, wohin sie gehen, wo sie ruhen und wie sie ihr Umfeld erkunden. In Gefangenschaft dagegen zeigen sie Frustverhalten, monotone Bewegungsmuster oder ständigen Rückzug. Ein Tier muss nicht denken können „Ich bin eingesperrt“, um unter Gefangenschaft zu leiden – genauso wie ein Mensch keinen Begriff für Hunger braucht, um Hunger zu empfinden.
Wenn Tiere wirklich kein Freiheitsempfinden hätten, gäbe es all diese Stresssymptome nicht. Die Realität zeigt eindeutig das Gegenteil.
Scheinargument 5:
"Zoos bilden Kinder und Erwachsene!"
Denken Sie mal darüber nach, was Sie und ihre Kinder bei Ihrem letzten Zoobesuch gelernt haben. Und nun denke Sie darüber nach, wodurch sie es gelernt haben. Waren es die Tiersichtungen oder doch eher Infotafeln und Führungen, die Ihnen das Wissen vermittelt haben? Tatsächlich ist es so, dass die Tiersichtungen in Zoos meist ein ganz falsches Bild vermitteln. Mehrere wissenschaftliche Studien (Godinez & Fernandez 2019; Learmonth et al. 2021; Marino 2010) zeigen, dass Zoobesuche kaum bilden und oft ein ganz falsches Bild von Wildtieren erzeugen. Der Hintergrund dafür sind die Verhaltensstörungen, die in Gefangenschaft auftreten. Sie verhalten sich nicht wie Wildtiere es in der Freiheit eigentlich tun würden. Und dabei gibt es zahlreiche kostenlose oder günstige Alternativen, die Kinder und Erwachsene für die Natur sensibilisieren und bilden, ganz ohne eingesperrte Tiere. Natur- und Wildtierdokumentationen (auch auf YouTube, siehe z.B. Wohllebens Waldakademie, Mission Erde, zukünftig auch wir von Mission - Wild & Free e.V.), Bücher, Waldführungen oder auch einfach Spaziergänge und Wanderausflüge bilden, sensibilisieren und unterhalten Groß und Klein.